Das Leitbild–Grundlage unserer Arbeit

Unsere Zielvorstellungen

Die heutige Zeit stellt an jeden Menschen vielfältige Anforderungen, um am gesellschaftlichen Leben teilhaben und seinen eigenen Lebensweg aktiv gestalten zu können. Wir sind als Zeitgenossen aufgerufen, den Anforderungen der Gesellschaftund den Notwendigkeiten der eigenen Biografie gerecht zu werden. Dazu braucht es die Arbeit eines jeden von uns an der Entwicklung seiner Persönlichkeit und individuellen Fähigkeiten.
Hier ist die Aufgabe des Troxler-Hauses beheimatet: Menschen, die mit einer Behinderung leben und ihren Platz in unserer Gesellschaft suchen, brauchen dabei intensive Förderung auf ihrem Lebensweg.

Die anthroposophische Geisteswissenschaft hilft uns dabei, den Menschen nicht nur in Bezug auf seine Behinderung anzuschauen, sondern das Gesunde in seinem leiblichen, seelischen und geistigen Wesen anzuerkennen und dieses zu stärken. So können wir den uns anvertrauten Menschen helfen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden und auszugestalten. Unsere Gesellschaft muss sich aber auch durch die Begegnung mit den Erscheinungsformen der sogenannten ‚Behinderung‘ prüfen, welches Maß an Toleranz, Liebe, Verständnis und Anerkennung sie jedem ihrer Mitglieder gewährt.
Wenn Integration so gelingt, dass man durch Erfahrungen im gegenseitigen Geben und Nehmen gemeinsam Zeitgenosse werden kann, hat die Behinderung ihre gesellschaftliche Aufgabe erfüllt und braucht vielleicht als individuell gewähltes Schicksal nicht mehr notwendig sein.

Unsere Aufgabe

Das Troxler-Haus hat die Aufgabe, in seinem Einflussbereich Verhältnisse zu schaffen, in denen Menschen mit Behinderungen – ohne Ausgrenzung aufgrund ihrer individuellen Besonderheiten – ihr Leben als Zeitgenossen führen können.
Zeitgenosse zu werden heißt, seine Aufgabe im gesellschaftlichen Leben zu finden. Dazu braucht es den Gedanken der Entwicklungsfähigkeit. Diese Entwicklungsfähigkeit
liegt in dem Geistig-Seelischen des uns anvertrauten Menschen. Sein Denken, Fühlen und Wollen anzusprechen, zu fördern und zu stärken ermöglicht ihm die Entfaltung vorhandener und neuer Fähigkeiten aus eigener Kraft.

Die aus der Anthroposophie entwickelten pädagogischen, therapeutischen, arbeits- und lebensbezogenen Konzepte fördern ihn so, dass er sich in die zeitgemäß
gestalteten Gemeinschaftsformen des Troxler-Hauses hineinbegeben kann und so an wesentlichen Entwicklungsimpulsen unserer Epoche Anteil nimmt, sinnvoll an
der Welt mitgestaltet und seine individuellen Schicksalsaufgaben erfüllen kann.
Überall dort, wo wir die sozialen Verhältnisse so einrichten, dass sie den Bedingungen und Handlungsmöglichkeiten von Menschen mit Behinderungen entsprechen, wecken wir Bewusstsein für Formen und Inhalte, die wir als wesentliche Elemente einer menschenwürdigen Gesellschaft betrachten können.

Unsere Vorgehensweise

In Kindergarten und Schule, Landwirtschaft und Werkstatt mit Arbeitstrainingsbereich, Förderbereich und Therapie sowie Wohnsiedlung einschließlich Pflegebereich
werden die entsprechenden anthroposophischen Konzepte ausgestaltet, angewandt und weiterentwickelt.

Ausgehend von den Lebenswirklichkeiten bemühen wir uns, stets das für die uns anvertrauten Menschen im Sinne der genannten Zielsetzung Notwendige zu erkennen und zu tun.
Das kann von persönlichen Stützen und Förderungen über ein Filtern und Modifizieren der Zeiteinflüsse bis zum Aufbau neuer oder zur Rückbildung bestehender Maßnahmen und Einrichtungen reichen. Wesentlich ist uns dabei die Beweglichkeit, Vielfalt und Dynamik der Hilfen, die sich immer aus dem ergeben, was wir an Erfordernissen wahrnehmen. Wir greifen auf, was auf uns zukommt. Die Größe und Vielgliedrigkeit unserer Einrichtungen ist Ergebnis und Bedingung dieses Bemühens.
Weltoffenheit und Dialogfähigkeit sind grundlegende Bestandteile unseres Selbstverständnisses. Wir verstehen uns als Teil der Gesellschaft, der wir mit unserer Arbeit Entwicklungsimpulse vermitteln wollen.

Da unsere aufeinander Bezug nehmenden Konzepte bereichsübergreifend von den einzelnen Kollegien gepflegt werden, besteht auch die Möglichkeit einer durchgehenden Begleitung der Biografie des Seelenpflege-bedürftigen Menschen.

Unsere Lösungswege

In Kindergarten und Schule steht das sich entwickelnde Kind im Vordergrund. Da jedes Lebensalter eine ihm gemäße Ansprache erfordert, ist uns die anthroposophische Menschenkunde Grundlage unserer pädagogischen und therapeutischen
Arbeit. Im Alter von drei bis sieben Jahren werden die Kinder gefördert, ihre Sinne zu ergreifen und freudig ihren Leib in spielerischer Bewegung zu erfahren. Durch erkenntnismäßiges und pädagogisches Bemühen versuchen dann die Lehrer das
Schulkind in seiner Persönlichkeit zu erahnen und ihm zu helfen, seinen Leib als Instrument zu ergreifen und zu akzeptieren. Es bildet sich um das Kind ein Schutzraum aus Eltern, Erzieher und Lehrer, die in
engem Austausch miteinander stehen, bis im Jugend- und Erwachsenenalter der sozialfähige Mensch in den Vordergrund tritt. Denn alle Persönlichkeitsentwicklung wird dann dienlich, wenn sie der Gemeinschaft wieder zuteil wird.
In den Sozialtherapeutischen Werkstätten des Troxler-Hauses kann der erwachsene Mensch mit einer Behinderung seinen Platz in der Arbeitswelt finden. Da er jetzt im Wirtschaftsleben tätig ist, stehen nun die Bedürfnisse der anderen Menschen im
Mittelpunkt seiner Wahrnehmung. In den vielfältigen Produktions- und Dienstleistungsbereichen kann er mithelfen, diese Bedürfnisse zu befriedigen und so gesellschaftlich und wirtschaftlich bedeutsame Arbeit leisten.
Dabei wird die Arbeit und ihr Umfeld sozialtherapeutisch so gestaltet, dass sie auch auf ihn selbst entwicklungsfördernd wirkt. Anforderungen an eine humane Arbeitswelt kommen zum Tragen: von der Ganzheitlichkeit der Arbeit über die Ausgewogenheit ihrer Wirtschaftlichkeit bis zur kundenorientierten Erzeugung von Qualitätsprodukten in weitestmöglichem Einklang mit der Natur.
Nur wenige der Menschen, die in unseren Werkstätten arbeiten, können selbstständig in einem eigenen Zuhause leben. Deshalb entstanden unsere Wohnformen, in denen im geschützten Rahmen eine angemessene Lebensführung für Seelenpflege-
bedürftige Menschen angeboten wird. Das religiöse Leben kann gerade im Wohnbereich intensiv gepflegt werden und erfährt in der Feier der Jahresfeste einen
besonderen Höhepunkt. In diesem und vielen anderen Bereichen wird an den Wohn- und Lebensverhältnissen von allen Bewohnern nach ihren unterschiedlichen
Fähigkeiten mitgewirkt.
Am Ende ihres Arbeitslebens erreichen heute immer mehr der uns anvertrauten Menschen das Rentenalter. In unserem Alten- und Pflegeheim – dem Franziskus- Haus – gestalten wir für die älteren Bewohner einen angemessenen Lebensabend
und haben uns dort die Sterbebegleitung zu einer notwendigen und wichtigen Aufgabe gemacht.

Neben dem religiösen Leben durchziehen auch künstlerische Therapieformen alle Bereiche des Troxler-Hauses. Sie wurden aus der Anthroposophie entwickelt, bereichern die Ausdrucksmöglichkeiten des Seelenpflege-bedürftigen Menschen und gewähren so den Therapeuten ein tieferes Verständnis der jeweiligen Persönlichkeit.
Im künstlerischen Üben können so gesundende Impulse gegeben werden, Heilung gefördert, Persönlichkeit gestärkt und in den sozialen Zusammenhang eingebracht werden.
Den Bereichen des Troxler-Hauses ist die rhythmische Gestaltung ihrer Arbeits- und Lebensprozesse ein wichtiges Anliegen. Das Beständige und immer Wiederkehrende
der Rhythmen des Tages und der Nacht, des Wochen- und Jahreslaufes – worin die Jahresfeste eingebettet sind – stärken Wahrnehmungs- und Erinnerungsfähigkeit
des Seelenpflege-bedürftigen Menschen und geben ihm so den inneren Halt, den zu finden dieser oft sein ganzes Leben lang aufgerufen ist.

Wie wir miteinander umgehen

Der durch die Impulse der Dreigliederung entwickelte Sozialorganismus des Troxler-Hauses gestaltet sich durch vielfältige und lebendige Arbeitsbereiche und Teileinrichtuıigen aus, die geistig unabhängig, rechtlich teilautonom sind und gemeinsam nach dem Prinzip der gegenseitigen Hilfe wirtschaften. Die Teilbereiche sollen sich eigenständig im Gesamtzusammenhang entwickeln können.
Unsere Arbeit beruht auf der individuellen Initiative der Mitarbeiter, die im Rahmen kollegialer Selbstverwaltung und Mitverantwortung ihre gemeinschaftlichen Belange so regeln, dass ein Atmen entstehen kann zwischen Gemeinschaft und
Einzelnem. Unsere wirtschaftlichen und rechtlichen Verhältnisse gestalten wir für die Mitarbeiter transparent. In den zwischenmenschlichen Beziehungen suchen wir Begegnung auf der Basis von Toleranz und Interesse am Anderen. Unser entwicklungsoffener Ansatz verlangt von den Mitarbeitern ständige Weiterbildung und Forschung, um auf die Anforderungen der Zeit eingehen und die Zukunft gestalten zu können. So werden auch die Erörterung verschiedener Konzepte und Aufarbeitung von Meinungsverschiedenheiten und Konflikten als Impulse zur Weiterentwicklung und Verbesserung der Verhältnisse unserer Einrichtung verstanden.
Das Troxler-Haus wurde von Menschen gegründet, denen die Verwirklichung der Anthroposophie in der heutigen Zeit Lebensaufgabe war. Dieses ideelle Streben, das anthroposophische Menschenbild und das daraus wachsende Verständnis von Individualität und Behinderung sind Wurzeln und Grundlage unserer Arbeit. So verstehen wir das Troxler-Haus auch als einen Ort, an dem die praktisch wirksame und zeitgemäß ergriffene Anthroposophie zu einem Impuls werden kann, die Welt in
ihren Lern-, Arbeits- und Lebensverhältnissen – bis zu den uns anvertrauten Bereichen der Natur – weiterzuentwickeln.
Anhängend finden Sie unser Leitbild als pdf-Datei zum Download und Ausdruck.

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